Welcher Dämmstoff eignet sich wofür?

Welcher Dämmstoff eignet sich wofür?

Dämmstoffe haben die Menschen schon immer genutzt. Das Klima hat uns schon immer dazu gezwungen, uns vor Kälte, Wind und Wetter zu schützen. Und das taten wir auch. Ob in mit Fellen gedämmten Nomadenzelten, schilf- und strohgedeckten Blockhäusern in waldigen Gebieten oder in Behausungen, deren zweischalige Flechtwände mit Gras gefüllt und mit Lehm beworfen waren – Not machte erfinderisch und was gut war, verwenden wir noch heute. Hier finden Sie die gängigsten Dämmstoffe und ihre Eigenschaften.

Wie funktionieren Dämmstoffe?

Jedes Material hat eine bestimme Wärmeleitfähigkeit, die mit λ (Lambda) in W/mK angeben wird. Je niedriger dieser Wert ist, desto schlechter wird Wärme geleitet und umso besser ist die Dämmwirkung. Metalle haben mit Abstand die höchste Wärmeleitfähigkeit 50-200 W/mK, dies wird bewusst bei Kochgeschirr genutzt. Ziegel haben je nach Art und Type l-Werte von ca. 0,8 W/mK bei Vollziegeln, ca. 0,25 W/mK bei Hochlochziegeln bis hin zu den teilweise mit Dämmstoffen gefüllten bzw. hochporosierten Ziegeln mit ca. 0,07 W/mK. Bei Dämmstoffen fangen die Dämmwerte bei ca. 0,045 W/mK an und enden mit 0,004 W/mK bei Vakuumdämmplatten.

Wärmeleitfähigkeit Dämmwirkung Baumit

Einsatzbereiche von Dämmstoffen

Nicht jeder Dämmstoff ist für jeden Einsatzzweck geeignet. Je nach Zusammensetzung und Art der Dämmstoffe sind auch deren Einsatzgebiete  unterschiedlich. So werden beispielsweise lose Dämmstoffe wie Zellulose oder Holzfaser zum Einblasen von Hohlräumen verwendet, weiche, sog. Rollenware wie beispielsweise Glaswolle, werden zum Dämmen von Sparren und Plattendämmstoffe im Bereich von Vollwärmeschutz eingesetzt.

Arten von Dämmstoffen

Für alle Dämmstoffe gilt: Der eigentliche Dämmstoff liegt zwischen den Fasern, bzw. in den Poren, gemeint sind Luft (bei den meisten Dämmstoffen) bzw. spezielle Zellgase oder wie im Fall der Vakuumdämmung genau das Gegenteil, nämlich das Vakuum!

Expandiertes Polystyrol EPS

Besser auch unter Styropor bekannt, ist EPS der am weitesten verbreitete Dämmstoff im Bereich der Fassadendämmung. EPS hat sehr gute Dämmeigenschaften, ist langlebig und seit vielen Jahrzehnten bewährt. Die guten Verarbeitungseigenschaften machen EPS auch bei Verarbeitern und Handwerkern beliebt. In den Zellen und Poren wirkt Luft als effizienter Dämmstoff. Bei den grauen Platten wird Graphit dem Rohstoff zugegeben, dieser reflektiert die Infrarotstrahlung und verbessert nochmals die dämmenden Eigenschaften. Die innovative Baumit open air KlimaschutzFassade macht sich dasselbe Prinzip zunutze und nimmt so viel Luft als Dämmstoff wie möglich: Mit 99 % des natürlichsten Dämmstoffes der Welt dämmt sie atmungsaktiv und verbraucht gleichzeitig weniger Energie. Denn diese wird bereits bei der Herstellung der ökologischen Luftdämmplatte gespart: Die Baumit Fassaden Platte open air weist den geringsten Primärenergiebedarf von der Herstellung bis zur Produktion auf – mit Verwendung von 100 % Ökostrom. Der Dämmwert von 0,031 W/mK macht Baumit open air zu der ökologischen und wirtschaftlichen Fassadendämmung.

Baumit Fassadenplatte open air

Extrudiertes Polystyrol XPS

Gleicher Grundstoff, aber andere Eigenschaften. Bei XPS wird das Polystyrol extrudiert und bekommt somit seine einzigartigen Eigenschaften hinsichtlich Festigkeit und Wasserunempfindlichkeit. Dadurch ist es besonders geeignet für Fundamentdämmungen, Perimeterdämmungen (der Kellerwand) aber auch für das „Fundament“ des WDVS, den Sockelbereich.

Mineralwolle

Bei Mineralwolle wird unterschieden in Steinwolle und Glaswolle. Bei Steinwolle wird Basaltgestein aufgeschmolzen zu feinen Fäden der Faser und anschließend zu Vliesen und Platten „versponnen“. Als Bindemittel dient hier ein Kunstharz. Glaswolle wird ähnlich hergestellt, Grundstoff ist jedoch Glas. Während Steinwolle stark im Bereich Fassade und Flachdach vertreten ist, wird Glaswolle hauptsächlich im Bereich der Gefachdämmung oder Zwischensparrendämmung verwendet. Baumit FassadendämmPlatte Mineral besteht aus Steinwolle und zeichnet sich durch ihre Unbrennbarkeit und hohe Diffusionsfähigkeit aus. Sie ist somit für alle Gebäudeklassen vom Einfamilienhaus bis zum Hochhaus geeignet. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,034 W/mK spielt auch sie im Spitzenfeld mit.

Phenolschaum

Phenolharz ist ein seit langem bekannter Kunststoff, als Bakelite wurde dieser schon bei den alten Wählscheibentelefonen und Lichtschaltern eingesetzt. Als Hochleistungsdämmstoff mit einem Dämmwert von 0,022 W/mK stellt er heutzutage beste Dämmwerte in den Vordergrund. Baumit FassadenDämmplatte Resolution besitzt zudem vergleichbare Verarbeitungseigenschaften wie EPS, einzig zum Schneiden wird anderes Werkzeug
benötigt.

Baumit FassadenDämmplatte Resolution

Nachwachsende Dämmstoffe

Dies ist die wahrscheinlich breiteste Gruppe im Bereich der Dämmstoffe. Ausgangsstoffe sind hier Holz, Flachs, Schilf, Stroh, Hanf oder Flachs, aber auch tierische Produkte wie Schafwolle kommen hier zum Einsatz.

Holzweichfaser

Hierfür wird Holz fein zerfasert und in speziellen Produktionsprozessen wieder zu Dämmplatten oder Vliesen verarbeitet. Als Dämmplatten können sie auch als Bestandteil von Dämmsystemen eingesetzt werden. Die Baumit HolzweichfaserDämmplatte findet sowohl im Holzleichtbau (Holzrahmenbau) als auch im Massivbau Einsatz. Gute Dämmwerte von 0,037 W/mK und ein hoher Schutz vor sommerlicher Überhitzung zeichnen dieses Produkt aus.

Baumit HolzweichfaserDämmplatte

Kork

Als wahrscheinlich erster nachwachsender Dämmstoff findet Kork in verschiedenen Bereichen seinen Einsatz. Der Rohstoff wird aus der Korkeiche gewonnen. Die geschälte Korkrinde wird granuliert in Druckbehältern mit Wasserdampf gebacken. Im Fachjargon „expandiert“ der Kork hier um 20 bis 30 % seines Volumens und wird durch sein eigenes Harz gebunden. Kork speichert nicht nur gut Wärme, sondern dämpft auch Schall. Korkplatten können auch als Teil eines Wärmedämmverbundsystems eingesetzt werden sowie als Trittschalldämmung unterm Estrich. Das Nebenprodukt Korkschrot wird als lose Ausgleichsschüttung oder wärmedämmende Füllschüttung verwendet. Auf Grund der Rohstoffgewinnung und der langen Transportwege aus Portugal und Nordafrika ist die Verfügbarkeit jedoch eingeschränkt.

Flachs, Hanf und Jute

Diese pflanzlichen Dämmstoffe werden hauptsächlich als weiche Matten im Bereich der Zwischensparrendämmung und Hohlraumdämmung in Holzrahmen- und Holztafelkonstruktionen eingesetzt. Sie haben gute Dämmeigenschaften und bieten auf Grund ihrer Elastizität gute Schalldämmung. Sollen Platten daraus gewonnen werden, kommen Stützfasern zum Einsatz, diese können auch aus Kunststoffen bestehen.

Natürliche Dämmstoffe

Stroh und Schilf

Diese stellen einen sehr geringen Anteil dar, die Rohstoffe sind in Österreich zwar gut verfügbar, der Anwendungsbereich ist jedoch eher eingeschränkt. Dämmplatten aus diesen Materialien finden als Innendämmung in Verbindung mit Lehmputzen ihren Einsatz.

Schafwolle

Ein- bis zweimal jährlich fällt Schafwolle als Nebenprodukt der Schafhaltung an. Die Rohwolle wird gewaschen und zu Vlies verarbeitet. Die tierische Faser ist anfällig für Käfer- und Kleidermittelbefall und muss daher für die Anwendung als Dämmstoff geschützt werden. Zur Anwendung kommt dieser bei Holzkonstruktionen, weil er sich an das Holz anpasst, wenn es arbeitet, gut Feuchtigkeit aufnimmt und dabei kaum Dämmwirkung verliert.

Natürliche Dämmstoffe Schafwolle

Abbildung 1: Dämmstoff Schafwolle

Besonders attraktive Förderung für Fassadendämmung mit nachwachsenden Rohstoffen

Der Sanierungsbonus des Bundes bietet derzeit sehr attraktive Förderungen. Je nach Art der Sanierung kann man ab 1.1.2024 zwischen 9.000 € und 42.000 € Förderung lukrieren. Wenn man sich dafür entscheidet, Dämmmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen zu verwenden, gibt es einen weiteren Zuschlag. Warum es sich gerade jetzt besonders auszahlt, die thermische Sanierung von Gebäuden in Angriff zu nehmen, erfahren Sie auf „Dämmung rauf bringt’s“ übersichtlich erklärt.

Vakuum und Aerogel

Diese Spezialdämmstoffe besitzen zwar die besten Dämmwerte, stellen jedoch auf Grund der Verarbeitungseigenschaften und Bezugsquellen eher Exoten dar. Vakuumpaneele sind auch hinsichtlich Dauerhaftigkeit nicht unproblematisch, die kleinste Undichtigkeit der Alu-Hülle reicht und die Dämmwirkung ist passé.

Fazit und Zusammenfassung

Das Eigenheim vor Hitze und Kälte zu schützen, ist keine Erfindung der Neuzeit, seit jeher verwenden Menschen dämmende Materialien. Waren es anfangs noch Felle und Naturfasern, entwickelten sich die Dämmstoffe in den letzten Jahrzehnten zu teilweise Hochleistungsdämmstoffen, die je nach Anforderungen eingesetzt werden. Wirtschaftlichkeit, beste Verarbeitungseigenschaften, Brandschutz oder beste Dämmeigenschaften – richtig geplant und verarbeitet, bieten die Dämmstoffe in Baumit Dämmsystemen die passende Lösung sowohl im Neubau als auch, immer wichtiger werdend, in der thermischen Sanierung. Das Raumklima wird verbessert, die Fassade, das Gesicht des Hauses, erscheint in neuem Glanz und in Verbindung mit attraktiven Förderungen rechnet sich die Investition rasch und planbar.

Quellenverzeichnis

Oesterreich.gv.at: Sanierungsoffensive 2023/24 [online]: https://www.oesterreich.gv.at/themen/bauen_wohnen_und_umwelt/energie_sparen/1/sanierungsoffensive.html [abgerufen am 19.09.2023]

klimaaktiv.at:
Dämmstoffbroschüre [online]: https://www.klimaaktiv.at/dam/jcr:908c037d-b901-4193-a3a7-f6e7c406b12b/Dämmstoffbroschüre.pdf  [abgerufen am 26.09.2023]

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:
Dämmstoff Schafwolle: Dämmmaterialien von A bis Z: Ein Überblick - wohnnet, WO UND WIE WOHNEN: [online] https://www.wohnnet.at/bauen/rohbau/daemmmaterialien-41033 [abgerufen am 19.09.2023]

Welche Dämmmaterialien sind umweltfreundlich?

Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen, die auch rückbaubar sind, zählen zu den umweltfreundlichen Varianten.

Welche Dämmung ist für mein Eigenheim richtig?

Das hängt vom energetischen Zustand des Hauses und von den verwendeten Baumaterialien ab. Eine unabhängige Energieberatung und die Erstellung eines Energieausweises verschaffen die nötige Klarheit, um ein vernünftiges Sanierungskonzept aufzustellen. Danach entscheiden Sie sich für das richtige Wärmedämmverbundsystem.

Mit welchem Dämmstoff spart man am meisten Energie?

Jedes Wärmedämmverbundsystem arbeitet mit einem Dämmstoff, der eine geringe Wärmeleitfähigkeit aufweist und damit eine gute Dämmleistung. Welches System genau für Ihr Haus infrage kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, die bei einer Energieberatung besprochen werden.

Was muss ein guter Dämmstoff können?

Ein guter Dämmstoff soll möglichst viel Wärme speichern können. Das heißt, er sollte sie nicht „weiterleiten“. Daher soll er auch eine geringe Dichte haben. Denn je dichter ein Dämmstoff, desto besser leitet er die Wärme weiter, was bei einem Dämmstoff nicht gewünscht ist.

Kann man Luft zum Dämmen verwenden?

Luft ist ein ausgezeichneter Dämmstoff. Sie hat eine geringe Dichte und speichert daher Wärme ausgesprochen effizient. Die Baumit open air Klimaschutz Fassade macht sich genau diese Eigenschaft von Luft zur optimalen Dämmung zunutze.

Autor: Mathias Hanke

Baumit Produktmanagement

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